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Zwölf Tage vor dem Finale: Katar baut die WM schon wieder ab

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Von: Alexander Kaindl

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Die WM 2022 dauert noch bis zum 18. Dezember. Die Aufräumarbeiten beginnen aber schon jetzt, weit vor dem Finale dieser Weltmeisterschaft.

Doha - Die WM 2022 nimmt spätestens jetzt so richtig Fahrt auf. Gerade wurden die Achtelfinals gespielt und so viel Kritik die Winter-Weltmeisterschaft berechtigterweise auch einstecken musste - sportlich kommen die Fußballfans jetzt endlich auf ihre Kosten.

WM 2022 in Katar
20. November bis 18. Dezember
64 Spiele
32 Teilnehmer
Acht Stadien

Zwölf Tage vor dem Finale: Katar baut die WM schon wieder ab

Dann das 6:1 der Portugiesen gegen die Schweiz, die Elfmeter-Dramen bei Japan - Kroatien und Marokko - Spanien oder die überzeugenden Auftritte von Frankreich (3:1 gegen Polen) und Brasilien (4:1 gegen Südkorea) sind genau das, was sich der neutrale Beobachter wünscht: Spitzenfußball, Action und Spannung.

Nichtsdestotrotz wird schon jetzt an das Ende dieser WM gedacht, wie tz.de berichtet. Am 18. Dezember findet das Finale statt - zwölf Tage, also schon weit vorher, haben aber die Abbauarbeiten begonnen! Kein Witz.

Aufräumarbeiten vor dem WM-Stadion 974 haben bereits begonnen

Drei der acht Arenen sind nach dem Achtelfinale nicht mehr Austragungsstätte von Spielen. Am Dienstagmorgen, 6. Dezember, wurden rund um das Stadion 974 schon sämtliche Planen und Gitter zur U-Bahn-Linie abgebaut, zahlreiche Bauarbeiter räumten und werkelten auf dem Vorplatz. Rund zwölf Stunden vorher hatte hier noch Brasilien mit 4:1 gegen Südkorea gewonnen.

Der Rückbau des eigentlichen Stadions solle aber erst nach dem Finale der WM beginnen, sagten zwei der Arbeiter. Das Stadion wurde - wegen der Telefonvorwahl Katars 00974 - aus 974 Schiffscontainern gebaut. Es soll so als Beispiel dienen, da es weniger Baumaterial benötigte und so schnell und angeblich kostensparender erbaut werden konnte. Zudem kann es komplett zurückgebaut und an anderer Stelle wieder aufgebaut werden. 

FIFA-Präsident Gianni Infantino schwärmt von „der Nachhaltigkeit der Weltmeisterschaft“

Im Vorjahr fanden sechs Spiele des Arab Cups im Stadion 974 statt, bei der WM war die architektonisch ungewöhnliche Arena Austragungsort von sieben Spielen. Auf dem Areal direkt neben Hafen und Strand sollen Freizeit- und Grünanlagen entstehen.

FIFA-Präsident Gianni Infantino wäre nicht Gianni Infantino, wenn er nicht in genau dieser Tatsache zu hochtragenden Vokabeln greifen würde. „Dieses Stadion“, sagte er über das Container-Konstrukt, „wird an einem anderen Ort der Welt wiederverwendet werden.“ Dieser einmalige Vorgang sei „Teil des Vermächtnisses dieser Weltmeisterschaft, der Nachhaltigkeit der Weltmeisterschaft, des Nachdenkens über die Umwelt“.

Ein Anblick, den es nicht mehr lange zu sehen gibt: Das Container-WM-Stadion 974 in Katar.
Ein Anblick, den es nicht mehr lange zu sehen gibt: Das Container-WM-Stadion 974 in Katar. © Sven Simon / Imago

WM-Stadion wird abgebaut, um andernorts wieder aufgebaut zu werden: Aber niemand will die Container

Das Problem ist nur: Auch zwölf Jahre nach der WM-Vergabe stehen mögliche Abnehmer nicht gerade Schlange, das Interesse hält sich in Grenzen. Ob überhaupt, und wenn ja, wo das Stadion 974 wieder aufgebaut wird, steht in den Sternen - wie auch die Nachnutzung der anderen unter umstrittensten Umständen errichteten Arenen.

Ein Fan aus England entdeckte vor kurzem die Wohnungen der vielen Gastarbeiter, die in den vergangenen Jahren nach Katar gezogen waren, um die Weltmeisterschaft aus dem Boden zu stampfen. Jene Wohnblocks, in denen sie schliefen, sind längst verlassen, es herrscht eine Geisterstadt-Atmosphäre. Offenbar sollen die Gebäude in den nächsten Monaten abgerissen werden. Nachhaltigkeit geht sicher anders. (akl/dpa/sid)

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