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Finanziell nicht mehr tragbar: Großtagespflege steht vor dem Aus

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Von: Stefan Weinzierl

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In Münsing soll ein Haus der Kinder entstehen, darin ist man sich im Gemeinderat einig. Für die Grünen hat das Projekt höchste Priorität. Ihr Voranpreschen gefällt nicht allen Kollegen.
Knapp sechs Jahre nach der Eröffnung der Großtagespflegen „Butzerl“ und „Zwackerl“ im ehemaligen Rathaus in Höhenkirchen-Siegertsbrunn sollen die beiden Einrichtungen geschlossen werden.  © Uwe Anspach/dpa

Knapp sechs Jahre nach der Eröffnung der Großtagespflegen „Butzerl“ und „Zwackerl“ im ehemaligen Rathaus an der Bahnhofstraße 40 sollen die beiden Einrichtungen geschlossen werden.

Höhenkirchen-Siegertsbrunn – Knapp sechs Jahre nach der Eröffnung der Großtagespflegen „Butzerl“ und „Zwackerl“ im ehemaligen Rathaus an der Bahnhofstraße 40 sollen die beiden Einrichtungen geschlossen werden. Der Träger, die im Landkreis Starnberg ansässige Fortschritt gGmbH, hat angekündigt, die Betreuung der Kinder in der Großtagespflege „Zwackerl“ zum 1. Januar 2023 einzustellen. Die zweite Einrichtung soll im August kommenden Jahres ihre Türen schließen. Grund für diesen Schritt: Beide Einrichtungen sind so defizitär, dass die Fortschritt gGmbH nach eigener Aussage keinen anderen Ausweg mehr sieht.

Antrag auf Kostenübernahme abgelehnt

Deshalb hat der Träger auch bei der Gemeinde Höhenkirchen-Siegertsbrunn beantragt, den Fehlbetrag auszugleichen. Doch dies habe man auf Grundlage der erst vor wenigen Monaten beschlossenen Defizitvereinbarungen ablehnen müssen, teilte Bürgermeisterin Mindy Konwitschny (SPD) jetzt im Gemeinderat auf Nachfrage von Irmgard Pauli (CSU) mit. Pauli, deren Enkelkind die Großtagespflege besucht, bat darum, eine Lösung zu finden. „Es wäre wichtig, dass man die Kinder nicht aus der gewohnten Umgebung herausreißt“, sagte sie.

Eltern überrumpelt

Man habe dem Träger einen Lösungsvorschlag gemacht, aber keine Rückmeldung erhalten, betonte Konwitschny. Stattdessen seien die Eltern der „Zwackerl“ von einem Tag auf den anderen über die Schließung der Gruppe informiert worden, ebenso wie die zuständige Rathausmitarbeiterin Patricia Lang-Kniesner. „Mit uns hat man im Vorfeld darüber nicht gesprochen“, kritisierte die Rathauschefin.

Laut Lang-Kniesner ist grundsätzlich das Landratsamt für die Finanzierung von Großtagespflegen im Landkreis zuständig. Die Gemeinde stelle kostenlos die Räume für die Betreuung der Kinder zur Verfügung und habe sich darüber hinaus bereit erklärt, auch die Kosten für Leerplätze sowie Geschwisterermäßigungen zu übernehmen. Hier gehe es aber um ein durch gestiegene Personalkosten entstandenes Defizit, das der Träger mit dem Landratsamt abklären müsste.

Träger: Schließung keine Retourkutsche

Bei der Fortschitt gGmbH will man die nun angekündigten Schließungen nicht als Retourkutsche verstanden wissen. Man sei wegen der finanziellen Probleme schon seit Monaten mit der Gemeinde im Gespräch, sagt Sprecherin Verena Fahrion. Dass man nun die beiden Einrichtungen schließen müsse, „ist schade und tut uns leid“, sagt Fahrion. „Aber wir sind gemeinnützig. Wir können uns auf Dauer keine defizitären Einrichtungen leisten.“ Dass die Gemeinde erst so kurzfristig vom Aus der Gruppen erfahren, bedauert die Sprecherin: „Das wurde schlecht von uns kommuniziert.“

Hohe Personalkosten als Auslöser

Die finanzielle Schieflage sei deshalb entstanden, weil man dem Personal mittlerweile deutlich mehr Geld zahlen müsse, gleichzeitig das Betreuungsentgelt, das der Landkreis zur Finanzierung des Betreuungspersonals an den Träger zahlt, seit Jahren nicht gestiegen sei. Deshalb habe man auch das Landratsamt um einen Defizitausgleich gebeten – allerdings vergeblich.

Dem widerspricht Landratsamt-Sprecherin Christine Spiegel. Zum einen habe der Träger nie einen Defizitausgleich beim Landratsamt München gestellt, zum anderen hält man die finanziellen Leistungen, die man dem Träger zahlt, für fair. „Bei einer Überprüfung mit anderen Städten und Kreisen im Freistaat Bayern im Sommer dieses Jahres konnten wir feststellen, dass die Betreuungsentgelte in der näheren Umgebung in etwa auf demselben Niveau liegen und sich im bayernweiten Vergleich im oberen Bereich bewegen“, betont Spiegel. Die Kreisgremien hätten sich daraufhin mit dem Thema des Betreuungsentgelts erneut auseinandergesetzt und die festgelegte Höhe bestätigt.

Gemeinde beteuert: Betreuung der Kinder gesichert

Trotz der angekündigten Schließung der beiden Großtagespflegen ist die Betreuung der Kinder erst einmal gesichert. Das bekräftigen sowohl die Gemeinde als auch der Träger. „Die Eltern müssen keine Angst haben, dass die Kinder zum neuen Jahr auf der Straße stehen“, betonte Bürgermeisterin Mindy Konwitschny (SPD) im Gemeinderat. Denn die Gemeinde habe ausreichend eigene Fachkräfte in Reserve, um die Einrichtung weiterführen zu können. Auch hätte ein Teil des beim bisherigen Träger angestellten Personals signalisiert, es könne sich eine Weiterbeschäftigung vor Ort vorstellen. Selbst die Übernahme der Einrichtung durch einen anderen Träger sei eine Option, sagt die zuständige Rathausmitarbeiterin Patricia Lang-Kniesner.

Auch der Träger hat sich einen Notfall-Plan überlegt. Er will die bei den „Zwackerln“ betreuten Mädchen und Buben einfach bei den „Butzerln“ unterbringen, der Großtagespflege, die noch bis August geöffnet ist.

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