1. Startseite
  2. Wirtschaft

Deutschland verbrennt mehr Kohle und Gas: Energiewende rückwärts

Erstellt:

Von: Georg Anastasiadis

Kommentare

Trotz vieler Sonnentage stagnierte der Anteil der erneuerbaren Energien am deutschen Stromver-brauch im dritten Quartal 2022. Ein Kommentar von Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis.
Trotz vieler Sonnentage stagnierte der Anteil der erneuerbaren Energien am deutschen Stromverbrauch im dritten Quartal 2022. Ein Kommentar von Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis. © Marcus Brandt/dpa/Klaus Haag

Die klimaschädlichen Energieträger Kohle und Gas wurden in Deutschland zuletzt mehr verbraucht als zuvor. Von der vielzitierten Energiewende ist da nichts zu sehen, das Gegenteil ist der Fall. Ein Kommentar von Georg Anastasiadis.

Diese Bilanz müsste jedem Klimaschützer im seit einem Jahr grün geführten Bundeswirtschaftsministerium die Schamesröte ins Gesicht treiben: Fast die Hälfte des in Deutschland verbrauchten Stroms – exakt 45,5 Prozent – musste im dritten Quartal 2022 mit den klimaschädlichen Energieträgern Kohle und Gas erzeugt werden. Deren Anteil stieg gegenüber dem Vorjahr stark an (beim Gas verdoppelte er sich sogar!), weil Deutschland bis auf drei alle seine Kernkraftwerke abschaltete, während der Anteil der Erneuerbaren stagnierte – und das trotz des außergewöhnlich sonnenreichen Sommers. So also sieht die viel gepriesene deutsche Energiewende aus: Energie ist bei uns so teuer wie kaum wo auf der Welt und gefährdet zunehmend den Industriestandort, während gleichzeitig mehr fossile Energieträger verfeuert und die Klimaziele krachend verfehlt werden. Wer in der Welt soll bitte diesem Vorbild folgen? Der Mythos der deutschen Vorreiterrolle beim Klimaschutz ist nicht mehr als deutsche Hybris – kaum anders als bei Migration und der berühmt gewordenen One-Love-Armbinde.

Aktivisten würden mehr erreichen, wenn sie für Weiterbetrieb der Atomkraftwerke einträten

Über diesen energiepolitischen Irrweg zu sinnieren, wäre auch für die zumeist jungen Revolutionäre der „letzten Generation“ lohnend, die sich für vergleichsweise geringe CO2-Einsparungen durch 9-Euro-Ticket und ein Tempo-100-Limit auf Straßen, Flughäfen und Autobahngeländern festkleben. Sie würden mehr fürs Klima erreichen, wenn sie für einen – vorübergehenden - Weiterbetrieb der Atomkraftwerke einträten; dann ließe sich gewiss auch ein gesamtgesellschaftlicher Kompromiss unter Einschluss von Tempolimit (vielleicht nicht bei 100, aber vielleicht bei 130 Stundenkilometern) und einem günstigen Ticket finden. Aber noch wichtiger als die Klimarettung ist den Aktivisten offenbar die Anti-Atom-Ideologie ganz im Sinne ihrer grünen Vordenker.

Georg Anastasiadis

Auch interessant

Kommentare